„Es sind ja letzten Endes mysteriöse Vorgänge, wenn sich urplötzlich in einem Land neue Begabungen regen und gleich einer kreativen Explosion über die Landesgrenzen hinaus bekannt werden. Ich denke da an jene Jahre, als aus Argentinien Martha Argerich und Bruno Leonardo Gelber, aus Uruguay Homero Francesch – um nur drei Namen zu nennen – in Europa Furore machten. Und jetzt sind es junge Damen wie die Venezolanerin Gabriela Martinez oder die Argentinierin Gabriela Montero, die mit großem technischen Können und ganz individuellem Kommunikationsvermögen aufhorchen lassen. Zu diesen südamerikanischen Entdeckungen möchte ich auch den Argentinier Fernando Viani zählen.“ Klassik Heute (09.07.2007)
 

Karriere

Fernando Viani ist ein sehr vielseitiger Pianist, dessen Repertoire sich vom Solokonzert über Kammermusik bis zur Liedbegleitung erstreckt. Er gibt Konzerte in ganz Europa, in Indien, Jamaika, Kanada, den USA und natürlich in Argentinien.

Sein Spiel wird oft für seine „teuflische Technik“, aber auch für seine „raffinierte Klangqualität“, gepaart mit „großer Ausdruckkraft und tiefer Leidenschaft“ gepriesen.

Meilensteine seiner Laufbahn waren u.a. die Aufführungen des Klavierkonzertes von Luis Gianneo mit dem argentinischen Symphonie Nationalorchester sowie des 1. Klavierkonzertes von Johannes Brahms mit dem Mendoza Philharmonie-Orchester und des Klavierkonzerts in G-Dur von Maurice Ravel zusammen mit dem Symphonie Orchester der Nationaluniversität Cuyo. Mit den Interpretationen der beiden letzt genannten Werke hat er sich in Argentinien einen so guten Ruf erworben, dass er jährlich eingeladen wird, mit einem der besten Orchester zu spielen.

Die weltweit mit exzellenten Kritiken ausgezeichnete Gesamtaufnahme der Klavier- und Orgelwerke von Alberto Ginastera bei Naxos verschafft ihm einen festen Platz im europäischen Raum. Er gehört ohne Zweifel zu den interessantesten argentinischen Pianisten seiner Generation.

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Musikalische Grundlagen

Er wurde im Jahre 1969 in Mendoza/Argentinien geboren. Seine Vorfahren stammen vorwiegend aus Italien und aus Spanien. Die frühe Anziehungskraft der Musik - er begann seine Ausbildung mit 7 Jahren - entwickelte sich rasch zu einer ausgeprägten Leidenschaft, ja zum Lebensinhalt. Bereits mit 13 Jahren wurde er als Vorschüler an die Musikhochschule der Nationaluniversität Cuyo in Mendoza/Argentinien aufgenommen. Dort wurde er von einer Nachfolgerin von Vicente Scaramuzza – dem Lehrer von Martha Argerich und Bruno Gelber – unterrichtet. Sein Diplom absolvierte er 1993 mit Auszeichnung. Während des Studiums gewann er u.a. die ersten Preise bei Wettbewerben des „Piano-Studienzentrums“ sowie die Goldmedaille für die beste Interpretation von Werken argentinischer Komponisten beim Wettbewerb „Alberto Williams“. In dieser Phase erhielt er wichtige Anregungen von Bruno Gelber.

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In Europa

Durch die Unterstützung privater Sponsoren und später als Stipendiat der Konrad-Adenauer- Stiftung war es ihm möglich, seine Klavierausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe fortzusetzen. Bei Sontraud Speidel, die seine musikalische Entwicklung wesentlich prägte, schloss er 2002 den Studiengang Konzertexamen mit Auszeichnung ab. Um seinen musikalischen Horizont zu erweitern, nahm er außerdem Unterricht bei Fany Solter und Dinorah Varsi, absolvierte Meisterklassen bei Alexander Braginsky, Eduardo Hubert, Hartmut Höll, Dina Joffe und Miguel Proença. Karlsruhe_schloss_gottesau

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Das Melvin Klaviertrio und die Kammermusik

Parallel zu seiner Solokarriere ist Fernando Viani ein begeisterter Kammermusiker und  einfühlsamer Liedbegleiter. In den Jahren 1992 und 1993 wurde er zum Internationalen Kammermusikfestival nach Bariloche/ Argentinien eingeladen und arbeitete  mit dem Pianisten Carlo Bruno (Beethoven Quartett), der Geigerin Ana Chumachenco und dem Bratschisten Oscar Lysy zusammen. Ebenso nahm er mehrmals auf Einladung des Verdi-Quartetts am Festival „Vielsaitig“ in Füssen teil. Aus dem langjährigen musikalischen Schaffen mit dem Bariton Guillermo Anzorena gingen einige CD-Aufnahmen hervor und im Jahr 2009 ergab sich zudem die Gelegenheit, mit der zeitgenössischen Komponistin Charlotte Seither zusammenzuarbeiten und ihre Lieder aufzuführen.

2002 lernte er Anke-Bettina Melik (Violine) und Andrej Melik (Violoncello) kennen. Mit den beiden internationalen Preisträgern sowie exzellenten Musikern gründete er das Melvin Klaviertrio, das bereits einige Erfolge zu verzeichnen hat, nicht nur als Trio, sondern auch in Kombination mit anderen anerkannten Künstlern und Komponisten. Hier wäre zu nennen: die Altistin Ingeborg Danz, der nordamerikanische Komponist Lawrence Axelrod und das Offenburger Streichtrio. Das Melvin Klaviertrio hat ein umfangreiches Repertoire und – bedingt durch die internationale Herkunft seiner Mitglieder – ein breit gefächertes Musikverständnis. Auf die gemeinsamen Interpretationen wirkt dies sehr bereichernd.
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Ginastera Aufnahme

Im Rahmen eines Forschungs- und Aufnahmeprojekts arbeitete Viani seit 1993 mit einer Gruppe argentinischer Pianisten zusammen. Daraus resultierten die Aufnahmen der gesamten Lied- und Klavierwerke der argentinischen Komponisten Alberto Ginastera, Luis Gianneo, Juan José Castro und Carlos Guastavino. Mehrere dieser CDs erhielten Preise. Dieses fruchtbare Zusammenwirken mündete 1996 in die Gründung der „Fundacion Ostinato“, die nur 3 Jahre später von dem Label Naxos unter Vertrag genommen wurde. Andere Einspielungen machte er für das Radio Nacional Argentina, das Lernradio Karlsruhe, sowie für Piano-Podium.
Nach diesen reichhaltigen Erfahrungen, fühlte er sich bereit für ein größeres Projekt: die Gesamtaufnahme der Klavier- und Orgelwerke von Alberto Ginastera. Im Jahr 2006 spielte er diese für Naxos ein.
Die Musik Ginasteras übt auf Viani einen besonderen Reiz aus, wird in ihr doch der Versuch unternommen, die europäischen kulturellen Wurzeln des Komponisten in Verbindung zu bringen mit dem musikalischen Erbe des Landes, in dem er lebt. Das Ergebnis dieses Ringens ist eine Musik mit unmittelbaren archaischen Anteilen und ungestümer Rhythmik, die jedoch ihre Gestalt in Formen europäischer Kompositionstechnik annimmt. Ginastera hat mit seinen Kompositionen eine ganz eigene musikalische Identität geschaffen, in der sich Viani – selbst Nachfahre von Einwanderern – wieder findet.
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Verbindung von Musik und Malerei

Bereits in seiner Jungend hat er viel komponiert; anfänglich für sich selbst, später im Auftrag für Dokumentarfilme und Theaterstücke.
2009 ergab sich ein herausforderndes Projekt. Die neue Kunstform „Belebte Bilder“ der Malerin Gabriela Stellino, faszinierte ihn so sehr, das er sich entschloss, diesen einen musikalischen Ausdruck zu verleihen. Herausgekommen ist dabei ein Kunstwerk, bei dem Malerei und Musik nicht nur gleichwertig nebeneinander stehen, sondern etwas Einheitliches, Neues hervorbringen. Die Live-Präsentation im Morat-Institut in Freiburg, bei der Viani die Komposition selbst spielte, war ein großer Erfolg. Ein umfangreicheres Projekt der beiden Künstler ist bereits in Planung.
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